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Unsere Kompetenz: Skatepark-Anlagen

Parkour, BMX, Mountain-Biking oder Skateboarding erfreuen sich vor allem in Städten einer großen Beliebtheit. Der informelle Sport, zu dem die Bewegungspraktiken gehören, verzeichnet im Vergleich zum organisierten Sport, der in Vereinen und Verbänden stattfindet, einen enormen Zuwachs. Die gesellschaftliche Akzeptanz und Etablierung der neuen urbanen Sportarten zeigte sich z.B. bei den Sommerspielen 2021 in Tokio, wo Skateboarding zum ersten Mal olympische Disziplin war.

Foto: Tobias Ritz

Speziell das Skateboarden legte eine außergewöhnliche Entwicklung zurück.  Der Siegeszug, der in deutschen Städten bereits Mitte der 1970er Jahre begann – in München wurde 1978 der erste Skatepark eröffnet – hält bis heute an. [1] 40 Jahre später investieren Städte und Gemeinden jährlich mehrere Millionen Euro in Skateboardanlagen. Ein Trend, dem sich immer mehr Kommunen anschließen.

Auch in der sächsischen Kleinstadt Riesa schmückt eine 2021 fertiggestellte Skateboardanlage den neu angelegten Generationenpark an der Merzdorfer Straße. Die Planung und Neugestaltung des Parks sowie die Steuerung des Baus der Skateboardanlage wurde von IPROconsult in Kooperation mit Steve Werner und seiner Firma Goodcrete-Construction durchgeführt.

Eine Street-Skateanlage für den "Generationenpark"

Dass Räume für urbane Bewegungspraktiken verstärkt Bestandteil der kommunalen Freianlagenplanung werden, erfuhr IPROconsult während der Vorplanung zur Gestaltung des Generationenparks in Riesa. Der ortsansässige Skaterverein „Hot Wheels“ und die kommunale Verwaltung hatten bereits Gespräche geführt und Bedarfe ermittelt. So konnten dem Verein drei Vorentwürfe präsentiert werden, bevor er sich für eine Street-Skateanlage entschied.

Die Fahrfläche besteht aus Beton auf zwei Ebenen und Rampen an den beiden Stirnseiten. Die zwei Höhenebenen sind durch Rails, Stairs, Banks und Curbs bzw. Ledges verbunden. Die unterer Fahrebene beinhaltet eine Slidebar und eine Funbox, die aus Elementen wie Table, Banks, Curbs und Wheelie Table besteht und zu Sprüngen und Tricks einlädt. Die Skatefläche wird mit einem Gefälle von ca. 2 % entwässert. Das anfallende Niederschlagswasser wird in die angrenzenden Grünflächen geleitet und kann in Kiesrigolen versickern.

Gebaut hat die Skateboardanlage Steve Werner (GOODCRETE Construction). Im Dezember vergangenen Jahres wurde die Anlage dem Skateverein und den Riesaer Bürgerinnen und Bürgern übergeben. 20 Jahre sollen solche Anlagen durchschnittlich in Gebrauch sein. Das ist ein langer Zeitraum, gleichwohl findet man wenig Informationen zur strategischen und qualitativen Planung. Bei solch einer Lebensdauer macht es durchaus Sinn, darüber nachzudenken, wie Kommunen, Planer und andere Anspruchsgruppen das Thema Skateboardplanung nachhaltig verorten können, erklärt Veith Kilberth, Sportwissenschaftler der Uni Flensburg. [2] Auch Linn Frohse, Freianlagenplanerin bei IPROconsult lernte einige Tücken erst im Verlauf des Projektes kennen.

Herausforderungen bei der Planung von Skateparks

Bei der Konzeption von Skateboard-Anlagen gilt es, einiges zu beachten, so z.B. Fragen der Zuständigkeit: Welches Amt ist für die Planung zuständig? Die Verortung der Zuständigkeit seitens der Kommune ist in Deutschland nicht klar geregelt. Skateparkprojekte gelten rechtlich als Freizeitanlagen für den informellen Sport und sind entweder Spielplatz oder Sportanlage. Da der informelle Sport ohne eigene Mittel für den Sportanlagenbau bzw. für den Bau von Skateparks auskommen muss, ist der Bau von Skateparks vom guten Willen der Städte und Kommunen abhängig.

Sportpolitisch gesehen sind Skateanlagen weder Spielplätze noch Bestandteil bei Freiraumplanungen von Jugend- und Grünflächenamt. [3] Veit Kilbert konstatiert nüchtern, „dass es für Skateparks nicht nur im Ressort der Sportpolitik kein Mandat gibt, sondern das in der gesamten Kommune deutschlandweit nirgendwo ein formaler Anspruch auf Förderung besteht“. [4] Wenn der Zuständigkeitsbereicht nicht klar definiert ist, bedeutet das im Allgemeinen eher schlechte Ausgangsbedingungen für Planer und Vereine. „Da hilft es schon mal, zu wissen, dass Skateparks sowohl Inhalt einer Spielplatzbedarfsplanung sein können, die über die Jugendämter organisiert wird oder Teil der Freizeitanlagen innerhalb von Grünflächen sein können – beides ist möglich", erklärt die Freianlagenplanerin Frohse. Die Zuständigkeiten liegen also entweder bei den Landschafts- und Grünflächenämtern oder bei den Jugendämtern. [5]

Der richtige Standort

Neben der Verortung der Zuständigkeit ist die Wahl des Standortes besonders wichtig. Skateboarderinnen und Skateboarder sind experimentierfreudige Menschen mit einer großen Portion Nonkonformität. Wird das auf den Ort bezogen, dann kommen Räume in Frage, die der Logik konformer Stadtplanung konträr gegenüberstehen. Das sind Flächen unter Brücken, kleine Areale entlang stark genutzter Wegenetze, die sich an dicht befahrenen Straßen befinden, Bebauungslücken, Nichträume und unfertige Orte, die zur Zwischennutzung zur Verfügung stehen. Außerdem ist es wichtig, zu wissen, dass Skateboarding nicht immer und überall funktioniert. Bei Nässe, Frost, Schnee, Dunkelheit und starkem Wind wird niemand auf sein Board steigen. Diese Witterungsabhängigkeit macht Skateparks in Deutschland zu einer saisonalen Praktik. Dabei wollen die Skateboarder ganzjährige Angebote nutzen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit kostenlos zur Verfügung stehen. Eine gute Anbindung zum ÖPNV und eine gute zentrale Erreichbarkeit der Anlage sind ebenso wichtige Kriterien bei der Wahl des Standortes. [6]

Gestaltungsgrundsätze

Veit Kilbert hat 23 Gestaltungsgrundsätze zur Skateparkplanung zusammengetragen, die berücksichtigt werden sollten. Sei es von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugend- oder Grünflächenamtes, Skateboarderinnen und Skateboardern selbst, die genaue Vorstellungen entwickeln wollen, wie sie ihre Bedürfnisse formulieren oder Freianlagenplanern und Landschaftsarchitekten, die gerade damit beginnen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Im Folgenden erlauben wir uns, diese Grundsätze aufzulisten:

  1. Lokaler Bedarf. Bei jedem Projekt sollten die lokalen Bedürfnisse der Nutzer bekannt sein. Das kommunale Gesamtangebot sollte vielfältig sein.
  2. Experimentelle und unkonventionelle Skateraumkonzepte. Kommunale Planer sollten wissen, was die Skateboarder brauchen.
  3. Zentraler Standort. Je zentraler der Ort, umso eher wird er angenommen.
  4. Maximale Nutzungszeit planen. Bei der Planung der Lage die Nutzungszeit der Anlagen von ca. 20 Jahren beachten.
  5. Zusätzliche nonkonforme sowie experimentelle urbane Flächen bereitstellen. Die Nutzer mögen das.
  6. Größer ist nicht besser. Lieber mehrere kleine Skateanlagen planen anstatt wenige große Skateparks.
  7. Obergrenzen für Skateparkterrains nicht überschreiten.
  8. Wünsche und Bedürfnisse von lokalen Nutzern bei der Planung berücksichtigen.
  9. Dabei auch unkonventionelle und informelle Kommunikationswege benutzen. Es muss alles versucht werden Nutzer zu erreichen.
  10. Skaterparks mit Ortbetonbauweise planen und ausführen.
  11. Qualität. Lieber kleinere hochwertigere Skaterparks bauen und von größeren Flächen mit geringwertiger Bauweise und Material absehen.
  12. Auf hochwertige, glatte Böden und Fahrbeläge setzen.
  13. Möglichst ein Gesamtterrain schaffen, dabei differente Könnenniveaus beachten und mittels unterschiedlicher Geschwindigkeiten strukturieren.
  14. Höhen und Schwierigkeitsgrad stufenweise aufbauen.
  15. Terrains möglichst multidirektional strukturieren.
  16. Geometrische, proportional breitere Flächen bevorzugen.
  17. Ein markantes Alleinstellungsmerkmal einplanen.
  18. Streetterrains mit niedriger Grundhöhe planen und partiell herausfordernde Elemente platzieren.
  19. Kreative Gestaltung im Rahmen der soziokulturellen Skateboard-Ästhetik.
  20. Grundstücksabgrenzungen und sicherheitsfunktionale Bauten auf ein Minimum reduzieren. Alternative Lösungen bevorzugen, um urbanes Flair zu gewährleisten.
  21. Basic Features zuerst planen, dann Special Features integrieren.
  22. Aufenthaltsbereiche in unterschiedlicher Distanz zum Skateterrain planen.
  23. Aufenthaltsbereiche werden mit urbanem Mobiliar des öffentlichen Raums ausgestattet. Unbedingt die Optik einer Tribüne von Sportstätten vermeiden.

Der Skatepark als Teil des Generationenparks

Das Wohngebiet Merzdorf in Riesa ist in den 1960er Jahren entstanden und in den vergangenen Jahren aufgrund des Bevölkerungsrückgangs zurückgebaut worden, dazu zählten auch Kindergärten und Jugendclubs. Für die dadurch entstandenen öffentlichen Freiflächen mit einer Größe von rund 16.000 m² sollte im Rahmen des EFRE-Förderprogramms zur nachhaltigen Stadtentwicklung ein sinnvolles Nachnutzungskonzept erarbeitet werden. So entstand die Idee eines Generationenparks für das Fördergebiet zwischen Alleestraße im Norden und Merzdorfer Straße im Süden. Die Gestaltung des Generationenparks umfasste die Objektplanung sowie die Freianlagen. Ein Aufenthaltsort für Jung und Alt sollte geschaffen werden - ein Ort der Begegnung und des Miteinanders der Generationen.

Der größte Teil des zu gestaltenden Generationenparks stellte der Parkbereich dar. Zahlreiche Bäume wie Ahorn, Rosskastanie, Trauerweide, Pappel, Esche, Birke, Fichte, Lärche, Walnuss, Eiche und Linde finden sich auf dem Gelände. Der Altbaumbestand wurde erhalten und durch Schnittmaßnahmen wieder in Form gebracht. Ein neu geschwungener Weg, der am östlichen Parkeingang beginnt, zur Skateanlage und zum Beachvolleyballfeld führt und am ehemaligen Telekomgebäude endet, verbindet die drei Funktionsflächen Parkbereich, Aufenthaltsbereich und Sportbereich.
 


Autorin: Doreen Wallborn/IPROconsult

Quellen:


 

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