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Talentefinder, Okomo – Hochschulmessen auf dem Weg zur Digitalität

Das Jahr 2020 ist rückblickend auch im Bereich der Hochschulmessen ein Jahr extremer Umstellungen, bisweilen (zumindest für mich) auch digitaler Überforderung. Aber auch der Beginn neuer Innovationen, die es ohne die Pandemie in dieser Dynamik wohl so nicht gegeben hätte.

Neue digitale Messewelt

Ich befinde mich im Tutorial des Unternehmens „talentefinder“, nur eine Woche später beschäftige ich mich mit dem Video- und Chattool „Okomo“. Menschen, geschätzt Anfang 20 und damit deutlich älter als ich selbst, sind plötzlich Unternehmensgründer und erklären mir und vielen anderen Menschen mit einer – für ein Start Up und ihrem Alter – unglaublichen Professionalität, die neue digitale Messewelt, mit all ihren fast unerschöpflichen Möglichkeiten.

Social benefits, ein moderner Onlineauftritt, mit schicker Musik unterlegte Videos, authentische Bilder aus dem Arbeitsalltag, beeindruckende Mitarbeiterportraits – der Onlineauftritt eines Unternehmens gewinnt in rasanter Fahrt an Bedeutung. Wer hier bisweilen nicht investiert hat, der sieht plötzlich alt aus. Eine moderne Karriereseite mit einer Vielzahl an medialer Darstellung – spätestens seit diesem Jahr unausweichlich.

Digitale Messe – los geht's

Über Matchingtools verbinden sich im Rahmen der digitalen Hochschulformate nach vordefinierten Parametern Studierende und Unternehmen, noch bevor es auf der Messe zum echten Zusammentreffen kommt. Echt, das bedeutet hier den 1:1-Austausch digital, nach vorheriger Terminvereinbarung oder den spontanen Standbesuch durch Anruf / Chat / Videochat.

Zunächst fühlte sich alles unwirklich an. Man richtet den digitalen Stand ein, mit dem Roll Up als Bilddatei, Foto- und Videodateien, einem Portraitbild für das Chatfenster am Messestand usw.

Besonders die Vorarbeit ist eine andere, wie man sie sonst gewohnt war. Keine Hotelbuchung, keine Anreise (keine Umweltbelastung). Das ist wohl eine positive Erkenntnis, in Zeiten eines immer wichtiger werdenden Ökologiebewusstseins.

Auf der anderen Seite gibt es für jede Messe andere Vorgaben: Die Bilddatei als bestimmter Dateityp und in bestimmter Größe, jeweils eine neue Videoapp für Einzelgespräche, Firewalleinstellungen oder Verbindungsabbrüche.. Das Frustpotential (Stichwort digitale Überforderung) ist groß. Und doch muss man sagen – es ist auch alles ein Testballon in jenem Herbst 2020, für die Hochschulen UND die Unternehmen.

Zielgerichtete Einzelgespräche als großer Vorteil

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass durch unterstützende Matchingtools und Videochats die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme erweitert wurden. Keine zufälligen, massenhaften Kontakte am Messestand, sondern vielmehr zielgerichtete Einzelgespräche mit den Teilnehmern (m/w/d), der Messe. Diese Gespräche können vor allem im Vorfeld vereinbart und auch weit über die Messe hinaus terminiert werden. Diese Faktoren lassen sich auf jeden Fall als ein ganz großes Plus und Mehrwert der digitalen Hochschulmesse festhalten.

 

2020 war vielmehr das Jahr des Reflektierens, Ausprobierens, Hinterfragen und des neu Bewertens – in nahezu ALLEN LebensbereichEn – so auch bei den klassischen Messeformaten. 

 

Aber es bleibt bei mir eine Frage offen: Kann ein Videochat das echte Gespräch und (das zufällige) Kennenlernen ersetzen? Wohl kaum.

Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte und wenn ich an die Zukunft denke, dann stelle ich mir die Hochschulmesse schon wie früher vor. Mit echten Messeständen und echten Gesprächen live vor Ort. Aber eine Ergänzung um Onlineinhalte, sozusagen als hybrides / duales Modell – why not. Im Vorfeld sich „matchen“ zu können, um dann zielgerichtet auf der Messe ein persönliches  Kennenlerngespräch zu führen, das ist mein Gedanke an Messen im Jahr 2021 ff. Und das ist ein Gedanke, der sich für mich gut anfühlt und mir zeigt, dass 2020 eben kein verlorenes Jahr war. 2020 war vielmehr das Jahr des Reflektierens, Ausprobierens, Hinterfragen und des neu Bewertens – in nahezu ALLEN Lebensbereichen – so auch bei den klassischen Messeformaten. Danke 2020 für diesen Einblick und die neuen Gedanken, von mir aus können wir 2021 dann den nächsten Schritt wagen.